Verein gegen betrügersiches Einschenken

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dpa - Nachrichtenagentur - 20.09.2008

Feste/Oktoberfest/ Wiesn-Maß nur 0,9 Liter - Kritik an Schankmoral =

München (dpa/lby) - Die schlechte Schankmoral auf dem Oktoberfest hat auch heuer der Verein gegen betrügerisches Einschenken kritisiert. Die 1-Liter-Maß sei nach wie vor so selten wie ein Sechser im Lotto, bemängelte am Samstag zum Wiesn-Start Vereinspräsident Jan-Ulrich Bittlinger laut Mitteilung. «Maximal enthält ein Maßkrug auf der Wiesn 0,9 Liter Bier.» Der Verein habe in diesem Jahr auf die mahnende Wirkung von Ministerpräsident Günther Becksteins (CSU) Worten gehofft. Doch auch dessen Hinweis, dass die Maß Bier auf Volksfesten oft schlecht eingeschenkt sei, habe nichts geändert. Beckstein hatte seine heftig kritisierte Aussage, man könne auch nach zwei Maß noch Autofahren, mit der schlechten Schankmoral und den damit geringeren Biermengen gerechtfertigt.

Der Verein hatte deshalb angekündigt, er wolle Beckstein nun als Ehrenmitglied gewinnen. Beckstein habe als erster bayerischer Ministerpräsident «mit unvergleichlichen Worten den Schankbetrug beim Namen genannt». Mittlerweile spricht mancher bei einem schlecht eingeschenkten Krug schon von einer «Beckstein-Maß».

Der Verein testete nach eigenen Angaben am Samstag nach dem Anstich 250 Maßkrüge in unterschiedlichen Zelten. Dabei habe es als Negativ-Rekord in einem Zelt sogar ein Dutzend Maßkrüge mit weniger als 0,8 Litern gegeben.

Die Wirte sprach der Verein allerdings fast von der Schuld frei. «Das sind Unternehmer, und die versuchen, ihren Gewinn zu 100 Prozent zu optimieren.» Mitverantwortlich sei vielmehr die Stadt München, die den Wiesn-Wirten offiziell erlaube, die Gäste um 0,1 Liter oder 0,80 Cent zu betrügen. Bei einem Durchschnittspreis von 8 Euro und verkauften sechs Millionen Maß an 16 Oktoberfesttagen entstehe den Besuchern hochgerechnet ein Schaden von 4,8 Millionen Euro.

dpa sd ybyy n1 kb 201858 Sep 08


Medium:
dpa - Nachrichtenagentur - 17.09.2008

Wahlen/Landtag/Bayern/CSU/ (Zusammenfassung 1330)
Beckstein versucht nach Bier-Rede Gegenangriff =

Nürnberg (dpa/lby) - Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) versucht nach scharfer Kritik an seinen Äußerungen zu Alkohol am Steuer einen Gegenangriff. Beckstein warf SPD und Grünen am Mittwoch in Nürnberg «schmutzigen Wahlkampf» vor. Seine Aussagen würden verdreht. Beckstein hatte in einer Bierzeltrede im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer gesagt: «Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt, oder wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei.» SPD und Grüne werfen ihm deswegen Verharmlosung des Trinkens vor. Nach einer neuen Umfrage wird die Landtagswahl am 28. September für die regierende CSU zur Zitterpartie.
Wie das Forsa-Institut im Auftrag von Antenne Bayern und der Zeitschrift «Stern» ermittelte, liegt die CSU derzeit bei 50 Prozent - ganz knapp an der absoluten Mehrheit. Die SPD liegt bei 19, die Grünen bei 9 Prozent. Freie Wähler und FDP würden neu ins Münchner Maximilianeum einziehen, die Linke jedoch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.
Die Bier-Debatte schlug am Mittwoch weiter Wellen. Becksteins SPD- Herausforderer Franz Maget kritisierte, Beckstein ziehe nach seiner unverantwortlichen Äußerung die Notbremse: «Der Unfall mit Totalschaden ist aber schon passiert.» Beckstein und Maget werden am Donnerstagabend (20.15) im Bayerischen Fernsehen beim ersten TV-Duell in der Wahlkampfhistorie des Freistaats aufeinander treffen. Becksteins Amtsvorgänger Edmund Stoiber hatte 2003 ein Fernsehduell mit Maget noch abgelehnt.
Der «Verein gegen betrügerisches Einschenken» kritisierte Beckstein ebenfalls: «Wer ein Volksfest besucht und ein Bier trinken will, der soll das Auto stehen lassen, auch schon nach einer Maß», sagte der Vereinschef Jan-Ulrich Bittlinger.
Beckstein äußerte in Nürnberg die Hoffnung, seine Äußerung werde ihm im Wahlkampf nicht schaden. «Die Leute haben mehr Angst vor einer Alkoholverbotsregelung als vor einer Verharmlosung», sagte Beckstein mit Blick auf das Rauchverbot. «Wer fährt, trinkt am besten gar nichts.» Den Alkoholmissbrauch müsse man massiv bekämpfen. «Aber ein gesellschaftlich seit Jahrhunderten akzeptierter Gebrauch von Alkohol ist nicht zu beanstanden.» Ein Glas Wein oder Bier sei Teil der Kultur in Bayern.
Nach der am Mittwoch veröffentlichten Befragung könnten die Christsozialen derzeit mit 50 Prozent ihre absolute Mehrheit ganz knapp verteidigen, müssten aber im Vergleich zur Bayern-Wahl 2003 einen Verlust von fast 11 Punkten hinnehmen. «Ich bin außerordentlich zuversichtlich, dass das Ziel von 50 Prozent plus X erreicht wird», sagte Beckstein. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer wertete die Umfrage als gutes Zeichen für die Partei. «Das ist das richtige Signal zur richtigen Zeit. Wir ziehen jetzt hoch motiviert in den Endspurt.»
Die SPD ist mit derzeit 19 Prozent weit von den erhofften 25 Prozent entfernt. Die Linke würde laut Umfrage mit vier Prozent den Einzug ins Münchner Maximilianeum verfehlen. Allerdings schafften die Linken bei Landtagswahlen in anderen Bundesländern trotz schlechter Umfragewerte den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Die Grünen kommen in der Umfrage auf 9 Prozent, rund 1 Punkt mehr als 2003. Die Freien Wähler könnten mit 8 Prozent erstmals in das Münchner Maximilianeum einziehen. Auch die FDP, die seit 14 Jahren nicht mehr im Parlament vertreten ist, wäre demnach mit 6 Prozent drin.
Forsa befragte vom 8. bis 12. September 1101 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte in Bayern. Die Fehlertoleranz liegt bei plus-minus drei Prozentpunkten. CSU-Vize Horst Seehofer prophezeite ein Ergebnis von deutlich über 50 Prozent für die Regierungspartei. «Ich sage zwoundfünfzigkomma», erklärte Seehofer im Fernsehsender N 24. Seehofer gab auch der Bier-Debatte eine neue Wendung: «Ich trinke eigentlich privat nur Milch», sagte er.

dpa ch/sm/pw yyby z2 db 171324 Sep 08


Medium:
AFP - Nachrichtenagentur - 17.09.2008

D/Bayern/Brauchtum/Oktoberfest
Auf eine letzte Zigarette zur Wiesn - Am Samstag beginnt das 175. Münchner Oktoberfest Von Ralf Isermann = München, 17. September (AFP) - Der Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V. fühlt sich von höchster Stelle bestätigt. Dass zwei Maß Bier die Fahrtüchtigkeit nicht gefährden, wie Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) meint, kann nach Ansicht des Vereins nur daran liegen, dass auf Volksfesten die Bierkrüge so schlecht gefüllt seien. Den normalen Oktoberfestbesucher lässt dieser Verdacht indes kalt. Weit über sechs Millionen Menschen werden von Samstag an bis zum 5. Oktober auf den Wiesn erwartet. Für die Raucher wird es ein Treffen auf eine letzte Zigarette: Die Ausnahme vom strengen bayerischen Rauchverbot, die für Bierzelte gemacht wurde, gilt nur in diesem Jahr. Für «eingeborene» Münchner sind die Bedingungen für das 175. Oktoberfest so wunderbar, dass einer zünftigen Wiesn nichts im Wege steht. Mit der anstehenden Landtagswahl, dem Rauchverbot und dem Streit darüber, ob die bayerische First Lady Marga Beckstein im Dirndl zum Oktoberfest kommen soll, gibt es so viele Gründe zum ratschen und granteln, dass langes Sitzenbleiben im Festzelt lohnt. Mal abgesehen davon, dass auch noch durch Applaus für die von E-Gitarren, Bass und Schlagzeug rockig unterstützten Blaskapellen der Wiesnhit des Jahres gekürt werden muss. Seit dem Frühjahr haben die Wirte für das größte Volksfest der Welt ihre Zelte mit bis zu 10.000 Sitzplätzen auf der Theresienwiese errichten lassen, seit einigen Tagen stehen auch die Karussells. Besonders an den Wochenenden ist das in diesem Jahr mit 26 Hektar etwas kleinere Festgelände zum Bersten gefüllt. Schon ab 9.00 Uhr morgens drängen die Menschen in die dann bald wegen Überfüllung geschlossenen Bierzelte. Angesichts dieser Massen schüttelten die Münchner Wirte nur den Kopf, als die Landesregierung ihr striktes Rauchverbot beschloss: Wie das Verbot in dieser hitzigen Atmosphäre durchgesetzt werden soll, war ihnen ein Rätsel. Nach langen Protesten erlaubte die Regierung, dass in diesem Jahr noch einmal in Bierzelten geraucht werden darf. Spötter meinen, die CSU-Alleinregierung wollte sich mit der Aufweichung beim Rauchverbot Stimmen für die am zweiten Oktoberfest-Wochenende stattfindende Landtagswahl sichern. Einziges Anzeichen des kommenden Verbots: Die mit Bauchladen durch die Zelte ziehenden Zigarettenverkäuferinnen wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. «Das ist ein kleiner Beitrag zur gesunden Luft in den Zelten», findet Wirtesprecher Toni Roiderer allen Ernstes. Wenn das Verbot im nächsten Jahr tatsächlich kommt, muss die Organisation wohl überdacht werden: Derzeit kommt niemand mehr in ein überfülltes Zelt rein, wenn er es erstmal verlassen hat. Da würde die Zigarettenpause schnell zum Partyende. Dass die Party meist extrem feucht verläuft, zeigt ein Blick auf die Statistik vom vergangenen Jahr. Damals gab es einen Besucherrückgang um 300.000 auf 6,2 Millionen. Doch diese stemmten 6,9 Millionen Maß Bier - wobei in eine Maß ein Liter passt - und damit so viele wie noch nie in der Oktoberfest-Geschichte. Ob in diesem Jahr trotz der um 40 Cent auf bis zu 8,30 Euro je Maß gestiegenen Preise erstmals die Sieben-Millionen-Marke fällt, bleibt abzuwarten. Wenn sich eine Münchner Volksweisheit bewahrheitet, könnte es dazu kommen. Ein anständiger Wirt holt aus einem 50-Liter-Fass 60 Maß Bier, heißt es da. Die Oktoberfestwirte scheinen anständige Wirte zu sein, wenn die Vorwürfe des Vereins gegen betrügerisches Einschenken stimmen. Die Ein-Liter-Maß habe es im vergangenen Jahr faktisch nicht gegeben, berichtet der Verein unter Berufung auf das städtische Ordnungsamt. Allerdings ist der Streit um die Fülle des Krugs fast so alt wie Volksfest selbst, das 1810 anlässlich der Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Prinzessin Therese zum ersten Mal gefeiert wurde. Über die Jahrzehnte gerettet hat sich auch der Brauch, dass viele Münchner Frauen über alle Generationen hinweg im Dirndl erscheinen. Ministerpräsidenten-Gattin Marga Beckstein ließ sich für ihre Wiesn-Premiere aber trotz aller Proteste nicht erweichen: Die Fränkin wird im Trachten-Kostüm statt Dirndl erscheinen. ran/ul AFP 171354 SEP 08



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